Foto: Roland Fengler

13. April 2010

Breitensport nährt den Spitzensport


Eines bewies die diesjährige Sportlerehrung der Stadt Nürnberg im „Schönen Saal“ des Nürnberger Rathauses: die außergewöhnliche und breite Palette des Sports in der fränkischen Sporthochburg. Dabei war es besonders beeindruckend zu beobachten wie besonders der Nürnberger Behindertensport mit außergewöhnlichen Leistungen glänzt. Allein 44 der 172 geehrten Sportler kamen aus dieser Sparte und wurden mit viel Beifall belohnt. 73 Sportlerinnen und 99 männliche Sportler nahmen in ehrenvollem Rahmen ihre Auszeichnungen entgegen, darunter 11 WM-Teilnehmer, 15 Europameister und 148 Deutsche Meister, sowie 2 Deaflympics-Teilnehmer ( Olympische Spiele der Taubstummen ).

Der erkrankte Sportbürgermeister Horst Förther wurde durch den 3. Bürgermeister Dr. Klemens Gsell vertreten. Auch er ein passionierter Sportler, der erst im November 09 für Nürnberg   in der Partnerstadt Nizza beim Nizza-Cannes-Marathon mitgelaufen ist, der weiß von was er spricht. Er begrüßte sehr viele Ehrengäste, die die Bedeutung dieser Auszeichnungen unterstrichen ( siehe Kasten ). Auch er betonte, dass die zu ehrenden Sportler das vielfältige Spektrum des Spitzen- und Breitensports in Nürnberg repräsentieren und zeigte sich stolz darüber.

Sein besonderes Augenmerk erhielten auch hervorragende Entwicklungen im Sport, wie der nun nach Basketball zweite Bundesleistungsstützpunkt Ringen, sowie 22 Mannschaften in 1. und 2. Ligen hoher Spielklassen. Auch eine erste Partnerschule des Leistungssports fördert die höchst erfreuliche Zusammenarbeit und Strukturverbesserung im Bereich Schule und Sport. Ein Internat für ca. 40 junge Sportler steht seit dem letzten Jahr im Haus des Sports im Sankt Paul Seminar im Luitpoldhain zur Verfügung. So kann sich der Spitzensport in Nürnberg künftig noch mehr aus erfreulichen Fortschritten im Nachwuchs-Leistungssport entwickeln.  

Oft wird die Sportstadt Nürnberg nur über die Fußballer des 1. FCN und die der Icetigers definiert. Sie stehen in der Presse meist vornan. Wer die Sportlandschaft jedoch gesamtheitlich beobachtet, ist erstaunt über herausragende Leistungen aller Sportvereine. „Der Spitzensport könne nur gedeihen, wenn der Breitensport gut aufgestellt ist“, so Klemens Gsell. Vor allem Vereine mit guter Nachwuchsarbeit führen zur Spitze. Grundvoraussetzung sind genügend Sportstätten und die Arbeit an der Basis. Kooperationen mit Schulen, Kindertageseinrichtungen, die Förderung des Vereinssport und Aktionen wie „Hinein in den Sportverein“, die auch sozial schwächer gestellten Familien die Einbindung ihrer Kinder und Jugendlichen in Sport ermöglicht und somit positiv auf die Entwicklung einer in schwierigen Situationen stehenden Kinderseele einwirkt.

Veranstaltungen wie die „Nürnberger Sportdialoge“ in Zusammenarbeit mit dem Sportservice Nürnberg fördern den Vereinssport und geben ihm Chancen zur gedeihlichen Fortentwicklung. Großveranstaltungen wie der Nürnberger Stadtlauf oder das Radrennen rund um die Nürnberger Altstadt animieren alle Nürnberger Bürger zum Mitmachen und zum eigenen Einstieg in den Sport und sind damit ein wichtiger Motivationsschub für alle, die Sport nur vom Zuschauen kennen.  

Die Sportentwicklungsplanung mit Befragung der Nürnberger Bürger und Sportvereine führte zu ersten Ergebnissen, wie z.B. der Ausschilderung von Laufparcours im Pegnitztal Ost und in Langwasser.  

Klemens Gsell dankte zum Schluß seiner Rede auch wichtigen Partnern und Sponsoren, wie der Sparkasse Nürnberg, die an vielen Sportprojekten in Nürnberg beteiligt sind und ohne die vieles nicht möglich wäre.

Ganz besonders hob er noch einmal das große Engagement der Nürnberger Sportvereine hervor, die sich mit ihrer Arbeit an der Weiterentwicklung der Sportlandschaft in Nürnberg beteiligen und gemeinsam mit der Sportorganisation wie z.B. dem Sportamt auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse reagieren und sich darauf einstellen.

Die anschließende Ehrung der Spitzensportler, moderiert vom Leiter des Sportservice Nürnberg, Jürgen Thielemann und Thomas Herr in der Gesamtmoderation, präsentierte vom Eröffnungstanz des Deutschen Meisters im Gardetanz über die Leistungen des Teams Klinikum und der Demonstration des „Tölt-Gangs“ eines isländischen Wettkampfpferdes durch den Moderator, ein höchst unterhaltsames, interessantes und buntes Kaleidoskop des Sports.

Dabei waren durchaus nicht nur Sportselbstläufer wie Basketball, Schwimmen, Fussball, Schwimmen, Tischtennis, Radsport, Reiten, Leichtathletik, Triathlon, Tennis, Hockey, Faustball, Fußball und Handball führend.

Gerade die Exoten ließen die rund 400 Zuhörer immer wieder aufhorchen. Flag Football - die kontaktlose Variante von Football, also „ohne Rumhauen, damit man sich nicht verletzt und damit eben keine Wilden Kerle“ treffend von einem der geehrten Sportler definiert. Auch Futsal ( Fußball ohne Zweikampfverhalten und mit schwererem Ball ) , Kraftdreikampf, Racketlon, Bowling oder Rollkunstlauf. Großer Beifall auch immer wieder für herausragende Leistung von behinderten Sportlern, wie z.B. der 2. Platz in der Weltrangliste im Rollstuhltanz oder der Deutsche Meistertitel im Kegeln der Sehbehinderten Marlies Seiferth.  

Mannschaft des Jahres 2009 die 1. Damenmannschaft der HG Nürnberg mit Feldhockey. Stellvertretend für die Leistung aller anwesenden Sportler erhielt diese Mannschaft   aus den Händen von Ehrengast Otfried Bürger von der Sparkasse   Nürnberg eine Spende von 500.- Euro. Er dankte auch den Eltern der jungen Sportler, da er mit sporttreibenden Kindern selbst betroffen sei und wisse, was da geleistet wird.

Die abschließende Ehrung verdienter Funktionäre im Sport würdigte das jahrzehntelange Engagement von vier Vereinsvertretern aus Führungspositionen, die durch ihr Wirken zwar keine sportlichen Höchstleistungen vollbrachten, jedoch ein Leben lang für den Sport im Einsatz waren. Die stetige Leistung für den Sport stand bei allen vier Geehrten der aktuellen sportlichen Höchstleistung der Athleten in Nichts nach. So verwies man bei Lothar Nepf ( SV 1873 Nürnberg Süd e.V.), ehemals Leiter des Sportamtes in Nürnberg, ebenso wie bei Werner Wild als ehemalige Triebfeder des größten Breitensportvereins in Nürnberg ( Post-SV Nürnberg e.V.),   sowie Werner Ehses ( 1.Motor Sportclub Noris e.V.im ADAC) und Horst Tischner ( ASV Solidarität Nürnberg 1904 e.V.) auf weit über 50 Jahre Funktionärstätigkeit in ihren Vereinen. Sie erhielten Silberne Ehrennadeln.  

Damit waren 34 Vereine der Nürnberger Sportvereinsszene mit ehrenswürdigen Leistungen zu Gast auf einer Veranstaltung, die durch die Ehrungen auch allen Sportvereinen in Nürnberg zu Höchstleistungen - jeder auf seinem Gebiet - gratuliert. Stets war der Bezug zum Gesamtsportgeschehen in Nürnberg zu spüren. Die geehrten Sportler stellen die Spitze einer großen und wichtigen Bewegung für die Gesunderhaltung aller Nürnberger Bürger dar. Sport ! Den einen treibt es zu Höchstleistungen, der andere ist zufrieden mit Sport vor der Haustüre als Ausgleich zu Beruf und Alltag. Das Ziel ist - egal welche Leistung -   das Gleiche.    
 
Uschi Friedmann