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Radrennen rund um die Nürnberger Altstadt

  • Durch die Altstadt
  • Jedermann-Rennen (Foto Sportservice Nbg.)
  • Siegerehrung Elite (Foto Sportservice Nbg.)

Siegerehrung zum Glockenschlag der Frauenkirche

Sonntag, 2. September – Nürnberg schien in einem Ring von ca. 2 km um die Altstadt fest in den Händen von Radlern zu sein. Ob freizeitmäßig oder häufig im Profi-Outfit, auf dem Weg Richtung Hauptmarkt begegneten mir, selbst mit dem Rad Richtung Innenstadt unterwegs, mehr Radfahrer als Fußgänger. Das Radrennen rund um die Nürnberger Altstadt, das heuer zum zweiten Mal in verkürzter Form in einem enger begrenzten Radius stattfand, belebte die sonst am Sonntag doch ruhige Altstadt auffallend. Das Wetter spielte prächtig mit. Keine Hitze, bedeckter Himmel, aber kein Regen, Temperaturen um die 20 Grad, damit ideal für jeden Radfahrer, ob Freizeitsportler oder Profi. Ungefähr 600 Teilnehmer gingen insgesamt an den Start.

Der Vormittag gehörte mit seinen Runden den Freizeitradlern, die aber in der Ausrüstung den Profis durchaus das Wasser reichen konnten. Das sogenannte „Jedermannrennen“ mit 12 Altstadtrunden und insgesamt 42 km Länge, gab es für weniger Geübte auch in verkürzter Form über nur 6 Runden.  Der Nachmittag war dann den Profis mit 22 Runden und insgesamt 80 km Gesamtstrecke vorbehalten. Dazwischen ein Triathlon- und zusätzlich ein Run-and Bike-Start, die die Gesamtveranstaltung des Sportservice Nürnberg interessant und lebendig gestalten sollten.  Allerdings sind seit Jahren wichtige Sponsoren abgesprungen und man musste in der Präsentation zurückschrauben. Auch der Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer, Peter Streng bedauerte die damit einhergehende Veränderung der gesamten Nürnberger Radsportveranstaltung. Auch deshalb hat man bereits die Weichen für 2013 entsprechend neu gestellt. Die ursprünglich der Amtszeit von OB Dr. Peter Schönlein entsprungene Idee eines Radrennens um den Altstadtring soll den Nürnbergern unbedingt weiter erhalten bleiben. Darum bemüht sich auch der Sportservice der Stadt Nürnberg unter Leitung von Jürgen Thielemann. Hier wurde bereits für 2013 verhandelt. Sein Team betreute parallel zum Rennen das Organisationsbüro.

Man muß kein Radprofi sein, um den Reiz dieser Veranstaltung zu erkennen. Direkt an der Strecke traf man viele fachkundige Radsportler an, die teilweise auch schon selbst mitgefahren waren. Interessant ist vor allem die Gesamtatmosphäre, die auf dem Hauptmarkt recht zentriert und privat ein gutes, vertrautes und angenehmes Umfeld findet. Nur leider räumlich begrenzt und mit dem Kopfsteinpflaster auch für Radfahrer nicht ideal. Irgendwie fühlte man sich zwischen den Runden ein wenig wie beim ehemals bekannten 6-Tage-Rennen in München, das es jedoch zwischenzeitlich nicht mehr gibt. Man trifft viele Bekannte aus dem Sport, aber nicht nur aus dem Sport. Angenehm gestaltete Bereiche mit einem vielseitigen Speisen- und Getränkeangebot, Kinderbetreuung und viele Fahrradhändler, die Tipps und Ratschläge geben, dazwischen auch mal, wie bei meinem Rad geschehen, im Vorbeigehen die Reifen frisch aufpumpen. Diese Atmosphäre lädt zum Verweilen ein und verkürzt die Zeit bis zum Eintreffen der nächsten Führungsgruppe.

Das Nürnberger Radrennen brilliert dabei auch mit einer Meisterleistung an Logistik und ehrenamtlichem Engagement von Helfern und Streckenposten. Das „Rennbüro“ war wieder im Rathaus im Bereich des Standesamtes stationiert. Alle wichtigen Stationen waren zentral erreichbar. Die logistische Versorgung der ca. 120 ehrenamtlichen Helfer auf der Strecke und im Zentrum klappte hervorragend. Für den Triathlon-Schwimmwettbewerb stand das innenstadtnahe Bayern 07-Bad zur Verfügung.

Die Siegerehrung ertönte oft zum Glockenschlag der Frauenkirche, was so wohl auch einmalig sein dürfte. Erfreulich auch, dass viele Einzelsponsoren den früheren Hauptsponsor einigermaßen auffangen.

Die einzelnen Ergebnisse entnehmen Sie ganz aktuell den Internetseiten des Sportservice. Letztendlich sind bei dieser Veranstaltung Ergebnisse aber zweitrangig. Viele Zuschauer, zugegebenermaßen weniger als früher, die heuer wieder eine kleinere Strecke säumten als früher „am Ring“, dankten es mit Applaus. Im Bereich des Hauptmarktes wurde das Event vom Radsport-Moderator Frank Jäger sehr unterhaltsam, locker und interessant begleitet. Kleine Highlights, wie der Start des Vaters mit dem Sohne bei Run & Bike, geben solchen Sportveranstaltungen die besondere Note und präsentieren bildlich das breitensportorientierte Ziel. Es sind hier nicht die großen Momente, sondern die vielen kleinen Momente mit begeisterten Freizeit-Radsportlern, die zeigen, dass der Radsport durchaus nicht hinter dem „Volkssport Nr.1“ , dem Fußball nachsteht. Wie sagte ein Funktionär aus dem Radsportbereich in einem Interview mit mir so treffend: „Zum Club gehen viele, die gar nicht selbst fußballspielen und nur reine Fans sind. Wer hier zuschaut, fährt meist selbst Rad“. Und ich glaube er hatte Recht. Ich habe mit niemandem gesprochen, der nicht selbst ab und zu gerne aufs Rad steigt. Radsport damit vielleicht doch ein zweiter „Volkssport Nr. 1“ ?

Die Profi-Sieger lobten abends im Bayerischen Fernsehen die außergewöhnliche Atmosphäre und die begeisterten Zuschauer des Rennens. Ein Lob das nicht zu verkennen ist, auch wenn von Moderator Charly Hilpert eine andere Einschätzung zu hören war. Zugegebenermaßen ist die Enge des Hauptmarktes nicht gerade ideal. Vor allem die fehlenden Zuschauerübergänge wurden beklagt, die aber durch einen Sicherheitsdienst ersatzweise gut geregelt wurden. Das Nürnberger Altstadtrennen wird es in dieser Form trotzdem nicht mehr geben. Der Absprung von Sponsoren ist nach wie vor schlecht zu verkraften. Auch die Sperrung von Strecken ist wie bei anderen Straßensportevents nicht immer ohne Probleme zu regeln.  Das Radrennen um die Nürnberger Altstadt wird nun künftig in ein weiteres Radsport-Highlight im Bayerischen Raum eingebunden sein. Es wird als Endziel der Bayernrundfahrt sein und damit namentlich leicht verändert sein, als Beispiel von Peter Streng benannt mit „Rennen rund um die Nürnberger Altstadt mit Endziel der Bayernrundfahrt“ , die zudem jeweils im Mai stattfindet. Dadurch leider ein Radrenntermin weniger für die Teilnehmer. Und vorbei mit dem Septembertermin in Nürnberg. Darauf wird man sich für die Zukunft einstellen müssen.

Uschi Friedmann

BLSV Kreis Nürnberg