Aktuell/Berichte

Tanzen tun die Leut’ zu jeder Zeit… aber eben nicht unbedingt Charleston!

Die Referenten stehen Rede und Antwort (v.l.n.r. Jürgen Thielemann, Aline Liebenberg, Arnold Lindner, Dr. Thomas Roepke)
Teilnehmerbefragung: Positive Faktoren
Teilnehmerbefragung: Negative Faktoren

Mit diesen Worten unterstrich der Referent Dr. Thomas Roepke vom Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern bei den 5. Nürnberger Sportdialogen am 12.11.2011 die Notwendigkeit zum Wandel und zur Modernisierung der ehrenamtlichen Strukturen.

In der Situationsanalyse von Michael Kolb wurde deutlich, dass es Unterschiede zwischen den Großstädten und der Gesamtsituation in Deutschland gibt. So engagieren sich deutschlandweit mehr als 35% der Bevölkerung in irgendeiner Form ehrenamtlich. In Städten wie Nürnberg oder Stuttgart liegt diese Quote nur bei ca. 22%. In nur zehn Jahren (1999-2009) hat die Ehrenamtsquote im Sport um ca. 10% abgenommen. Ein großes Problem besteht in diesem Zusammenhang darin, dass insbesondere die Altersgruppe der 30 – 39 Jährigen nicht nur bei den Mitgliedern sondern auch im Ehrenamt stark unterrepräsentiert ist. Umfragen hingegen zeigen, dass die grundsätzliche Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen zugenommen hat. Das kann nur bedeuten, dass es vor allem darauf ankommt die „richtige Ansprache“ zu finden, denn nach wie vor ist der Hauptweg zur Rekrutierung neuer Mitarbeiter die persönliche Ansprache aus dem Nahumfeld.

Diese Notwendigkeit zum „Neuen Ehrenamt“ zog sich durch alle vier Referate. Dr. Thomas Roepke hob hervor, dass vor allem die Zeitsouveränität zu achten ist. Das soll bedeuten, dass die neuen Ehrenämter nach dem Zeitbudget und den Kompetenzen der möglichen Ehrenämtlichen zugeschnitten wird und nicht umgekehrt. Ziel ist es, auch für sie eine „Work-Life-Balance“ herzustellen, um z.B. ein „Burnout“ zu vermeiden. Genauso wichtig ist aber, für Selbstbestimmung in den Tätigkeitsfeldern und für Sinnstiftung zu sorgen. Der Ehrenamtliche muss Freude an seiner Aufgabe finden und will die Wirkung seiner Tätigkeit sehen. Daraus bezieht er den größten Tei seiner Motivation. 

Der Film von Aline Liebenberg vom ZAB (Zentrum Aktiver Bürger) hat vor allem gezeigt, welch großes Potential in der Generation 60Plus steckt, wenn passende Ehrenamtliche Aufgaben angeboten werden. Das ZAB versteht sich aber auch als Freiwilligenagentur, die Interessierte vermitteln kann, die Fortbildungsmöglichkeiten bietet und Beratung bei der Entwicklung einer neuen Ehrenamtskultur bieten kann. Insbesondere hervorgehoben wurde die Möglichkeit, Ehrenamtsangebote in der Bürgernetz-Datenbank einzustellen.

Im Vortrag von Arnold Lindner wurde es dann sehr konkret. Er berichtete aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Vorsitzender eines Sportvereins und als Funktionär für den BLSV. Sein Credo ist „Wir arbeiten im Team über alle Generationen hinweg“. Das bedingt, bereits den Acht- bis Zehnjährigen kleine altersgerechte Aufgaben zu übertragen und mit sie dann mit zunehmendem Alter stärker in die Vereinsarbeit einzubinden und dabei immer auf die Lebenssituation und die Kompetenz Rücksicht zu nehmen.  Er regt an, einen Beisitzer Mitarbeiterbetreuung in den Vereinsvorstand aufzunehmen, der sich um alle Belange der Mitarbeiter kümmert, wie z.B. Ehrungen, Vorschläge für Aus- und Weiterbildung, Gratulation zum Geburtstag etc. Er hat die Aufgabe, Änderungen in der Lebenssituation, wie z.B. erreichte Abschlüsse oder private Ereignisse (Hochzeit etc.), wahrzunehmen und darauf zu reagieren.

Auch die Teilnehmer waren gefordert. In einer Befragung wurden vor allem hemmende und begünstigende Faktoren für das Ehrenamt erfasst und als Plakat erarbeitet.

In der anschließenden Diskussion wurden noch weitere Aspekte ins Gespräch gebracht wie z.B. die stärkere Einbindung von ausländischen Mitbürgern oder die Berücksichtigung der Partner der Ehrenamtlichen. Ein sehr wesentlicher Aspekt ist auch die Kooperation zwischen den Vereinen. Hier könnten z.B. durch Verwaltungsgemeinschaften Synergieeffekte erzielt werden, die Ehrenamtlichen deutlich entlasten. Allerdings kann dies nur Erfolg haben, wenn z.B. eine Initiative der Städtischen Dienststellen oder des BLSV die Dinge ins Rollen bringen.

Auch im Hinblick auf die Bindungskraft von Vereinen kommt den Kommunen eine besondere Rolle in der Förderung des Ehrenamtes zu. Jürgen Thielemann vom Sportservice Nürnberg kündigte an, dass in seinem Amt im nächsten Jahr eine eigene Stelle für die Beratung der Sportvereine - insbesondere bei Sportförderung und Kooperationen - einrichten wird. In diesem Zusammenhang wurde auch auf die Beratungsangebote des BLSV (http://www.blsv.de/blsv/vereinsservice/vereinsberatung.html) hingewiesen. Die Zukunftswerkstatt ist zwar ein kostenpflichtiges Angebot, aber Jürgen Thielemann hebt hervor, dass in den neuen Sportförderrichtlinien auch solche zukunftsweisenden Untersuchungen gezielt gefördert werden sollen.

Die Veranstaltung ließ keine Zweifel aufkommen, dass unsere Gesellschaft, mit ihren sich rasch wandelnden Rahmenbedingungen, mehr denn je auf ehrenamtliches Engagement angewiesen ist.  Den Teilnehmern wurden wesentliche Gedanken und Ideen an die Hand gegeben, sich auf den Weg zu einem „Neuen Ehrenamt“ zu machen. Der Schlüssel dazu ist Ideenreichtum, Kreativität und Flexibilität.

Werner Huber