Bad Tölz

Bewe­gung für alle: So inklu­siv sind die Sport­ver­eine im Land­kreis – „Sind offen für jedermann“

Beitrag teilen:

Inhalt

https://​www​.merkur​.de/​l​o​k​a​l​e​s​/​w​o​l​f​r​a​t​s​h​a​u​s​e​n​/​w​o​l​f​r​a​t​s​h​a​u​s​e​n​-​o​r​t​2​9​7​0​8​/​b​e​w​e​g​u​n​g​-​f​u​e​r​-​a​l​l​e​-​s​o​-​i​n​k​l​u​s​i​v​-​s​i​n​d​-​d​i​e​-​s​p​o​r​t​v​e​r​e​i​n​e​-​i​m​-​l​a​n​d​k​r​e​i​s​-​b​a​d​-​t​o​e​l​z​-​w​o​l​f​r​a​t​s​h​a​u​s​e​n​-​9​2​4​2​9​5​0​3​.​html

Inklu­sive Sport­an­ge­bote sind keine Einzel­heit im Land­kreis. In der inklu­si­ven Gruppe „Einfach tanzen“ des Tanz­sport­clubs Tölzer Land tanzen Menschen mit und ohne Behin­de­rung. © arp

Die Sport­ver­eine im Land­kreis Bad Tölz-Wolfrats­hau­sen sind bereit für Inklu­sion. Ob Klet­tern, Tisch­ten­nis oder Fußball – es gibt einige Angebote.

Bad Tölz-Wolfrats­hau­sen – Welche Sport­an­ge­bote für Menschen mit Behin­de­rung gibt es im Land­kreis? Zwar wird es noch dauern, bis Menschen mit Handi­cap wie selbst­ver­ständ­lich im Sport­ver­ein trai­nie­ren, aber einige Vereine sind dahin­ge­hend schon gut aufge­stellt und bereit für Inklu­sion. Ein Über­blick ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Bewe­gung für alle: So inklu­siv sind die Sport­ver­eine im Land­kreis – „Sind offen für jedermann“

Laufen: Einmal pro Woche trai­nie­ren beim TuS Gerets­ried Menschen mit unter­schied­lichs­ten Handi­caps. „Zum Beispiel mit Triso­mie 21 oder Autis­mus“, erklärt Norbert Spiegl auf Nach­frage unse­rer Zeitung. Er leitet die Gruppe für Lauf­sport und Gymnas­tik seit weit über 20 Jahren, wie er erzählt. „Zuerst waren wir nur ein Selbst­hilfe-Verein, aber dann sind wir zum TuS dazu.“ In der Gruppe würden über­wie­gend Menschen mit Handi­cap trai­nie­ren, „manch­mal machen auch Leute aus deren Bekann­ten­kreis mit“, sagt Spiegl. Andere Leute eher weni­ger. „Wer mit dem Umgang mit Menschen mit Handi­cap keine Erfah­rung hat, der hat eher Berüh­rungs­pro­bleme“, so seine Beobachtung.

Tanzen: In der inklu­si­ven Gruppe „Einfach tanzen“ des Tanz­sport­clubs Tölzer Land tanzen Menschen mit und ohne Behin­de­rung gemein­sam. „Wir sind offen für jeder­mann, unab­hän­gig von seiner körper­li­chen und geis­ti­gen Beein­träch­ti­gung“, sagt Dr. Markus Zimmer, Vorsit­zende des Tanz­sport­clubs. „Derzeit besteht die Gruppe aus etwa 15 Mitglie­dern, fünf davon haben keine Behin­de­rung.“ Die ande­ren seien Roll­stuhl­fah­rer, hätten das Down­syn­drom oder eine Lern­ein­schrän­kung. „Tanzen ist die Sport­art, die am besten für inklu­sive Ange­bote geeig­net ist“, findet Zimmer. „Das Ausmaß der Bewe­gung ist an jedes Handi­cap anpass­bar. Das Handi­cap darf nicht stören und stört auch nicht. Für jeden gibt es die passende Ausführung.“

Die inklu­sive Tanz­gruppe gibt es seit Septem­ber des vergan­ge­nen Jahres. „Wir haben die Anfrage von Special Olym­pics Bayern (Soby) erhal­ten, ob so etwas möglich wäre“, erzählt Zimmer. „Der Club war sehr offen dafür.“ Ab und an komme es vor, dass ein Teil­neh­mer demo­ti­viert sei, weil etwas nicht so gut klappt. „Wenn einer sagt, was ein ande­rer nicht gut gemacht hat, versu­chen wir das sofort zu unter­bin­den, indem wir statt­des­sen fragen: ‚Was hat er gut gemacht?‘“, berich­tet Zimmer. „Man darf nicht den Anspruch haben, dass alles perfekt läuft.“

Inklu­sive Klet­ter­gruppe seit 2007 – Anschaf­fung von spezi­el­lem Equip­ment geplant

Klet­tern: In der Sektion Tölz des Deut­schen Alpen­ver­eins (DAV) gibt es seit 2007 eine inklu­sive Klet­ter­gruppe. „Derzeit nutzen dieses Ange­bot 15 Jugend­li­che in drei Inklu­si­ons­grup­pen“, erklärt Geschäfts­stel­len­lei­te­rin Anke Ellmann. Menschen mit und ohne Handi­cap trai­nie­ren in gemein­sa­men Grup­pen. „Spezi­elle Ausrüs­tung ist nicht erfor­der­lich“, so Ellmann. „In spezi­el­len Touren soll­ten die Anfangs­t­ritte größer gemacht werden. Hier ist die Zusam­men­ar­beit mit unse­rem Betrei­ber hervor­ra­gend“, freut sie sich. „Even­tu­ell werden wir bald eine reine Tour mit spezi­el­len Grif­fen finan­zie­ren können.“

Hürden gebe es beim Klet­tern für die Sport­ler mit Handi­cap keine, „da jeder in seinem Niveau klet­tern kann. In der Halle ist das ohne Probleme möglich.“ Auch die Trai­ner würden keine spezi­el­len Fort­bil­dun­gen brau­chen. Ellmann und eine andere Trai­ne­rin haben diese aber bereits seit zehn Jahren. „Der DAV hat vor eini­gen Jahren einen eige­nen Ausbil­dungs­zweig geschaf­fen: Trai­ner C Klet­tern mit Behin­de­rung“, berich­tet Ellmann. „Ich empfehle die spezi­elle Ausbil­dung für Menschen mit Behin­de­rung für Inklu­si­ons­grup­pen. Der Aufwand und die Kosten lohnen sich auf alle Fälle.“

Die Klet­te­rer mit Handi­cap seien sehr gut in die Gruppe inte­griert, so Ellmann. „Wir fördern dies durch gemein­same Ausflüge, durch gegen­sei­tige Unter­stüt­zung, zum Beispiel während der Soby-Wett­kämpfe und durch den Fokus auf dem Mit- und Fürein­an­der.“ Klet­tern ist der Geschäfts­stel­len­lei­te­rin zufolge beson­ders gut als inklu­si­ver Sport geeig­net, weil alle auf ihrem Leis­tungs­ni­veau klet­tern. „Durch die Viel­sei­tig­keit kann jeder Spaß und eine tolle Erfah­rung haben – sowohl körper­lich als auch geistig.“

Eiskunst­lauf: Beim ESC Gerets­ried trai­nie­ren aktu­ell sechs Menschen mit geis­ti­ger Behin­de­rung Eiskunst­lau­fen. „Die Betreu­ung von Trai­ner­seite ist bei ihnen etwas inten­si­ver“, sagt Thomas Gania, der den Inklu­si­ons­sport leitet. Im Normal­fall sind zwei Trai­ne­rin­nen für die Eiskunst­läu­fer verant­wort­lich. „Vor Wett­kämp­fen unter­stüt­zen erfah­rene Läufe­rin­nen“, berich­tet der Leiter. Eine spezi­elle Fort­bil­dung für die Trai­ner sei nicht nötig. „Sie haben eine gute Bezie­hung zu den Sport­lern und wissen, wie sie ticken“, erklärt Gania. Ansons­ten laufe es nicht anders, als in ande­ren Gruppen.

Die Vorteile im Inklu­si­ons­sport liegen für Gania auf der Hand: „Das ist sozia­les Lernen für alle und die Akzep­tanz von Menschen in ihrer Unter­schied­lich­keit.“ Sport sei ein super Medium, um das zu gewähr­leis­ten. „Das gibt den Menschen mit Handi­cap Selbstbewusstsein.“

Auch beim ESC Bad Tölz wäre man „total offen“ für Menschen mit Behin­de­rung, sagt Heidi Hertwig, die Abtei­lungs­lei­te­rin der Sparte Eiskunst­lauf. „Sie würden in den norma­len Trai­nings­be­trieb aufge­nom­men, bräuch­ten aber einen Betreuer.“ Anfra­gen habe es bislang aber keine gegeben.

Tisch­ten­nis klappt „problem­los für alle“ – Wett­be­werb kann förder­lich sein

Tisch­ten­nis: „In der Gesamt­lage ist bei inklu­si­ven Sport­an­ge­bo­ten im Land­kreis noch Luft nach oben“, findet Ralph Seifert, Behin­der­ten­be­auf­trag­ter im Land­kreis. Seifert ist Roll­stuhl­fah­rer und spielt bei den Sport­freun­den Bichl Tisch­ten­nis. Das klappe problem­los, tiefer müsse die Tisch­ten­nis­platte dafür nicht extra gemacht werden. „Neben Basket­ball ist vor allem Tisch­ten­nis für Roll­stuhl­fah­rer sehr gut geeig­net“, sagt Seifert, der gleich­zei­tig Vorsit­zen­der der Tisch­ten­nis-Abtei­lung ist. Er ist der einzige mit Handi­cap beim SF Bichl. „Für die Inklu­sion im Gesamt­pa­ket ist es gut, wenn sich Menschen mit und ohne Behin­de­rung messen“, erklärt er. Im Isar-Loisach­ta­ler Feri­en­pass bieten die SF Bichl heuer einen Tisch­ten­nis-Schnup­per­kurs an – „für alle“, wie Seifert betont.

Fußball: Auch Fußball können Menschen mit Handi­cap im Land­kreis spie­len. „Bei uns spie­len zwei junge Männer mit geis­ti­ger Behin­de­rung“, sagt Robert Rieker, Vorsit­zen­der des SV Bad Heil­brunn. „Ich finde es wich­tig, dass sie auch mit spor­teln können“, betont er. Manch­mal könn­ten sie zwar intel­lek­tu­ell Dinge nicht so gut erfas­sen wie andere Spie­ler, „aber sport­lich gese­hen sind sie nicht schlech­ter“, so Rieker. „Sie gehö­ren einfach dazu.“

Keine Spie­ler mit Handi­cap gibt es aktu­ell beim SC Rot-Weiß Bad Tölz. „Aber wir hätten natür­lich kein Problem, wenn jemand kommt“, meint Vorsit­zen­der Wolf­gang Männer. Er trans­por­tiert beruf­lich Kinder mit Behin­de­rung. „Davon waren auch viele erfolg­reich bei Soby“, erzählt er. „Wenn jemand zu uns käme, wären wir auf jeden Fall offen dafür.“

Reiten: Reiten können Menschen mit Handi­cap auf dem Gut Bohmer­hof in Wackers­berg derzeit nicht. „Leider geht das nicht, dafür bräuchte man spezi­elle Pferde“, erklärt Ursula Heiling­brun­ner, die bei der Reit­sport­an­lage als Büro­kraft arbei­tet. Und nur „ganz, ganz selten“, gebe es Anfra­gen, ob Menschen mit Handi­cap beim Bohmer­hof reiten können. Das kommt laut Heiling­brun­ner etwa einmal im Jahr vor.

Skifah­ren: Auch beim SC Gaiß­ach fährt aktu­ell niemand mit Handi­cap Ski. „Wir sind zwar offen dafür, aber bislang waren noch nicht viele Anfra­gen da“, sagt Vorsit­zende Heidi Danner. Der SC bietet auch Lauf­grup­pen an. „Da waren auch mal Sport­ler mit Handi­cap dabei, aber die haben dann wieder aufge­hört. Insge­samt wären wir aber sehr offen, was das anbelangt.“

BLSV-Sport­kreis: Der Sport­kreis­vor­sit­zende Renato Witt­stadt dankt allen Verei­nen, die unser Motto „Wir gestal­ten Sport für alle“ bereits für unsere Sport­freunde mit Behin­de­run­gen umset­zen und ermun­tert alle übri­gen, dieses wich­tige und lohnende Thema eben­falls anzugehen!

Kontakt

Was ergibt 5*5?

Bitte beantworten Sie die Frage, um fortzufahren.