Auch das Alter braucht noch Träume

Sport & Bewegung als später Lebensinhalt

Der Traum von Gesundheit und Beweglichkeit wird mit jedem Jahr des Älterwerdens wichtiger. In jungen Jahren noch fast selbstverständlich, merken vor allem diejenigen, die sich nie regelmäßig bewegt haben und durch Berufstätigkeit bis zur Rente zum überwiegenden Sitzen verurteilt waren, wie die Beweglichkeit bereits vor dem Renteneintritt erheblich nachlässt, die eigene Ausdauer und Fitness spürbar weniger wird. Während Lebenssportler ihren Sport individuell den Möglichkeiten ihrer aktuellen Gesundheit im Alter automatisch anpassen, stehen Unsportliche meist ratlos da. Außer dem Rat ihres Arztes „sich mehr zu bewegen und moderaten Sport gesundheitlich durchaus noch ins Auge zu fassen“ ( z.B. bei Diabetes ), bleibt ihnen nicht viel an Hilfe, den Einstieg auch noch spät zu finden.

Dabei macht selbst moderates ausdauerndes Training gerade jenseits der 55 nicht nur beweglicher, kräftiger und seelisch zuversichtlicher, sondern stärkt und fördert auch die Konstitution und den gesunden Schlaf . Wer sich bewegt schläft eindeutig besser. Zahlreiche Studien belegen, dass vor allem 70plus-Menschen und sehr alte Menschen ( selbst mit beginnender Demenz ) von regelmäßiger Bewegung profitieren. Aber auch die Generation der extrem fitten 70plus-Lebenssportler, fordert unsere Sportvereine zu neuen Ideen, Trends und zu neuen Angeboten.

Wer sich regelmäßig bewegt, bewältigt den Alltag besser und bleibt in hohem Alter länger selbstständig, kann sich unter Umständen bei Krankheit besser selbst zurechtfinden und kommt meist auch bei Stürzen im Alter wesentlich glimpflicher davon, weil er noch entsprechend besser reagiert. Ulrike Kraus, Referentin des Deutschen Instituts für angewandte Sportgerontologie mit dem Schwerpunkt „Bewegung mit Hochaltrigen“ bestätigt, dass sogar Ungeübte bis ins hohe Alter noch Muskelmasse aufbauen können. Die Diplom-Sportlehrerin und Sporttherapeutin hat dabei diese Zusammenhänge an der Deutschen Sporthochschule in Köln wissenschaftlich untersucht und inzwischen das mittlerweise bundesweit praktizierte Bewegungsprogramm „fit für 100“ mit entwickelt und auch ausgewertet.

Das Ergebnis: Training im Alter steigert nicht nur Kraft, es verbessert auch Gleichgewicht und Beweglichkeit und es regt das Gehirn an. Gehirnzellen bilden sich selbst im Alter noch neu und können sich weiter vernetzen. „All diese positiven Eigenschaften verbessern nachweislich auch die Sturzprävention“. Nachdem extrem viele, selbst kleine Stürze jenseits der 70 zu massiven Gesundheitsproblemen und letztlich folgender fehlender Mobilität führen, ist allein dieser Aspekt wichtiger denn je.

Der Traum vom Älterwerden bei guter Gesundheit, Beweglichkeit und Unabhängigkeit, wird also für viele Ältere deshalb wichtiger denn je. Es muss aber kein Traum bleiben. Vor allem Sportvereine können hier einen großen Beitrag leisten und ihr Angebot entsprechend auftoppen. Die Bedürfnisse der älteren Sportler sind dabei höchst vielseitig. Absolut Ungeübte muss man anders abholen, als diejenigen die Sport lebenslang gewohnt sind und dadurch meist wesentlich anspruchsvoller denken.

So gibt es inzwischen Angebote wie „Begleitetes Radfahren“, Qigong 70plus, viele verschiedene Tanzangebote oder auch Sport und Kurse der von Angehörigen begleitet werden kann, um die Hemmschwelle für Erstsportler herabzusetzen. Alleine zieht kaum einer los und fängt an. Sobald der Hausarzt grünes Licht gibt, können ungeübte Ältere in ein moderates Training mit eingebunden werden. Auch und vor allem in den Fitness-Studios.

Einer der wichtigsten Aspekte bei Sport in fortgeschrittenem Alter ist wohl auch die deutliche Verbesserung von Depression und Angst. Altersdepression muss nicht sein ! Wer durch Bewegung und Sport mehr Selbstvertrauen aufbaut und findet, traut sich auch im Leben wieder mehr zu. Soziale Kontakte und Spaß und Freude in der Sportgruppe ergänzen die positive Wirkung. Statt den Mobilitätsradiums weiter zu verkürzen, gehen ältere Sportler mit der Bewegung weiter nach außen.

Der Traum vom gesunden Älterwerden kann also gelebt werden. Und die Messlatte liegt selbst für Einsteiger gar nicht so hoch. Es braucht vor allem Motivation , Ausdauer und den starken Willen, trotz häufiger eventueller Zweifel im u.U. unsportlichen Familienumfeld ( „Opa leb endlich altersgerecht !“ ), den Schritt zu wagen und durchzuhalten, nicht gleich oder schnell wieder aufzugeben. Es liegt dabei an den Sportvereinen die richtigen und motivierenden Angebote nach außen zu bringen, die Betreuung zu optimieren. Die Kooperation mit Sozialverbänden könnte diejenigen daheim abholen, die lange schon etwas tun wollen, sich das aber unbetreut nicht zumuten.

Der Traum von mehr Beweglichkeit im Alter liegt so nah. Aber wie bei allen Träumen, muss man auch da den Schritt dazu selbst tun. Träume sind dazu da sie umzusetzen und zu leben. Sie sind die Ideengeber unserer Seele für mehr Lebensqualität. Unser Innerstes will uns etwas ganz Bestimmtes sagen und wir alle sollten das immer als Signal für unser Leben sehen. Vielleicht auch etwas zu ändern. Nicht umsonst gibt es den Werbeslogan „Träumst du noch oder lebst du schon ?“. Das könnte auch für den Sport in fortgeschrittenem Alter gelten. Und unsere Sportvereine können helfen, diese „Träume“ durch entsprechende Angebote umzusetzen. Selbst vollkommen ungeübte Hochbetagte können auf einem Stuhl sitzend BEWEGT werden und haben Riesenspaß dabei ! Und ihr Traum, noch „bewegt“dabei zu sein, ist erfüllt. Und viele ältere Sportler erfüllen sich heute noch den Traum vom Erwerb des „Deutschen Sportabzeichens“.

Uschi Friedmann
BLSV, Kreis Nürnberg