Aktuell/Berichte

Die Fusion als mögliche Zukunft der Klein-Sportvereine

Wer es richtig anpackt, hat nur Vorteile!

Nicht nur wirtschaftliche Gedanken und finanzielle Not lassen immer mehr Vereine über eine Fusion nachdenken. Nachbarschaftliche Konkurrenzgedanken treten dabei immer mehr in den Hindergrund und es zählt, was der Nachbar denn so zur Verfügung stellen könnte und mitbringt. Die „Heiratswilligen“ denken über ihre „Mitgift“ nach und stellen fest, dass es viele Vorteile bringen könnte. Dabei ist jeder Fusionsgedanke individuell zu sehen und zu beurteilen.  Idealerweise ist eine Fusion unter Nachbarschaftsvereinen sinnvoll, da man damit alle Mitglieder vor Ort im Stadtteil beibehält und nach der Fusion eine größere Sportangebots-Vielfalt durch gegenseitige lokale sinnvolle Ergänzung der Angebote den neuen Verein noch interessanter macht. Auf der Basis solcher Gedanken entstand auch die Sportvereinigung Mögeldorf 2000, ehemals im Jahre 2000 fusioniert aus zwei Vereinen im gleichen Stadtgebiet. Ein Gespräch mit dem 1. Vorsitzenden Uwe H. Werner, der diese Fusion von Grunde auf mit erlebte, zeigt die Hürden, die zu nehmen sind, um dann Chancen für eine gewinnbringende gemeinsame Zukunft zu nutzen.

Die Fusion – noch vor wenigen Jahren skeptisch betrachtet, wird für viele Nürnberger Vereine im Stadtgebiet nun Zukunftsmusik sein. Die Skepsis wendet sich zugunsten von Neugierde und teilweise zwingender Not. So mancher Verein sieht aber durchaus die sinnvolle Ergänzung durch den Nachbarn und geht einen ersten Gedankenaustausch an. Ein positiver Weg hin zum Bestand unserer Sportvereine. Gemeinsam stark sein lautet die Devise, derer sich nun immer mehr Sportvereine in naher Zukunft stellen möchten oder sich bereits gestellt haben.

Dass dabei gerade oder vor allem die private und familiäre Atmosphäre und Stadtteilnähe beibehalten werden kann, zeigt vor allem die vor 12 Jahren vollzogene Fusion in Mögeldorf. Der aus der SpVgg Mögeldorf und SV Morgenrot Mögeldorf entstandene heutige SPVGG Mögeldorf 2000 sieht sein Ziel trotz der 1700 Mitglieder weiterhin in einem „stadtteilorientierten Breitensportverein“ und bestätigt seine Arbeit mit einem Kinder- und Jugendanteil von stolzen über 50 %.  Dieser hohe Jugendanteil zeigt, dass der Verein vor allem auch bei Familien ankommt. Parallelstunden für die ganze Familie in der Dreifachhalle gut möglich, sind natürlich mit im Angebot. In 13 Abteilungen haben auch Exoten wie Boule ( mit eigenem Bouleplatz ) oder seit 2007 Kung Fu/ Hapiko ihren Platz. Sechs Fußballplätze, davon 1 Kleinfeld und ein Kunstrasenplatz (mit dem NHTC als Nachbarverein), sowie 8 Tennisfreiplätze, alle in bestem Zustand, sind die heute sehenswerte Bilanz der Fusion. Fruchtende Zusammenarbeit in Kleinprojekten mit den Nachbarschulen unterstützt den Bekanntheitsgrad des jungen Fusions-Sportvereins.

Vorsitzender Uwe H.Werner weiß dabei zu berichten, dass „nicht die rechtlichen Formalitäten, sondern die traditionellen Vorstellungen und die Namensfindung Probleme darstellten“, die jedoch auch gelöst werden konnten. In Arbeitsgruppen mit über 100 Mitgliedern aus beiden „Altvereinen“ konnte man so für jeden Bereich eine gemeinsame Lösung erarbeiten und letztendlich auch akzeptieren. Die Arbeitsbereiche befassten sich im Vorfeld mit Namensfindung, gemeinsamer neuer Satzung oder auch Sportangebotsaufbau. So waren viele der bestehenden Mitglieder am Aufbau eines neuen Gefüges beteiligt und standen voll dahinter. Nur an den heute noch versteckt getrennt existierenden Stammtischen erkennt man den Ursprung des Vereins. Aber auch hier findet allmählich endgültige „Durchmischung“ statt. Die gemeinsame Arbeit in den Arbeitsgruppen und damit die Interessenvertretung eines bereits großen Teils der gemeinsamen Mitglieder, sieht Uwe Werner heute noch im Nachhinein als Geheimnis der friedlichen Einigung zum Wohle der Fusion. Der gesamte Fusionsweg hat 2-3 Jahre des Nachdenkens und Schaffens in Anspruch genommen. Doch damit konnte alles auch langsam und optimal einwachsen. Schnelle und übereilte Lösungen sieht er nicht so erfolgversprechend. Eine Fusion muss wachsen und braucht Gewöhnung, Vertrauen und ein fest definiertes Ziel.

Natürlich war es ein großer Vorteil, dass die fusionswilligen Vereine sich in noch guten Zeiten zu ihrem Schritt entschlossen haben. Fusionsgedanken hinauszuschieben, bis einer der Partner außer Schulden nichts mehr gewinnbringend mitbringt, ist sicher nicht der richtige Weg. Je früher man eine Fusion angeht und sich damit anfreundet, umso mehr hat man Zeit es in die richtigen Bahnen zu lenken und den Sportverein nach einer Fusion als neuen Komplex zukunftsfähig zu machen. Hierzu stehen sowohl über den Sportservice der Stadt Nürnberg, als auch den BLSV beratende und erfahrene Mitarbeiter zur Verfügung.

Der SVPVGG Mögeldorf 2000 schloss sich ehemals dann letztendlich aus zwei fusionswilligen Stadtteilvereinen zu einem neuen Gefüge zusammen. Die ehemalige SpVgg Ost brachte 600 Mitglieder mit ins Boot, Morgenrot, die bereits das Gelände von SV Jahn hinzugewonnen hatten, kam mit 300 Mitgliedern. Weitere Nachbarvereine konnten sich letztendlich nicht entschließen mit einzusteigen. Aus den 770 Mitgliedern zu Fusionsbeginn, denn etliche traten natürlich auch aus, wuchsen bis zum heutigen Tag dann 1700 aktuelle Mitglieder. Ein stattlicher Zugewinn von weit über 100 %  nach der Fusion. 2004 wurde schließlich eine neue Sporthalle eröffnet.

Der gleichzeitige Teilverkauf des Morgenrotareals war dabei ein kluger Schachzug der Vereinsführung und stellte den „Neuen“ auf finanziell gesunde Beine. So waren letztendlich Neubau und Renovierungsmaßnahmen gut zu organisieren. Die sportlichen Renner im neuen Kleid waren neben Fußball dann auch Tennis, Handball, Kinderturnen und Inliner-Sport, wo sich sogar eine Auftrittsgruppe rekrutierte. Das Beitragsniveau hält sich im oberen Mittelfeld, um für den laufenden Sportbetrieb keine Ressourcen angreifen zu müssen. Der Sportverein beteiligt sich bereits an Aktionen wie „Hinein in den Sportverein“ und unterstützt damit sozial schwächer gestellte Kinder. Auch den Trend von Kursangeboten geht er mit.

Vor allem „überzogenes Traditionsbewusstsein“ sieht Vorsitzender Uwe H.Werner abschließend als großen Hemmschuh in der Gestaltung von Vereinsfusionen. Auch wenn die Vereinchronik im Internet ein bewegtes Leben zeigt. Wer hier nicht offen ist, nach vorne schaut und die neuen Wege annimmt, zielorientiert denkt, wird eine Fusion nicht angehen können. Inzwischen gibt es bei der SPVGG Mögeldorf 2000 immer wieder Anfragen von weiteren Kleinvereinen, die gerne mit einsteigen würden, nur „die Kapazitäten fehlen“, so Uwe H.Werner.

Selbst beim Gründungsjahr des neuen Vereins hat man sich kollegial an die Partnervereine angepasst. Der neue Verein besteht offiziell seit 125 Jahren und orientiert sich damit noch traditionsbewusst an Morgenrot Mögeldorf, der ursprünglich 1879 gegründet wurde. Ein schöner Kompromiss ! Auch vielleicht einer der Erfolgsgaranten der Fusion im Nürnberger Osten. Keinesfalls sollte sich einer der Partner bei einer Fusion „ausgenutzt“ vorkommen. Wie im richtigen Leben auch. Fairness und offene Gespräche sind Grundvoraussetzung für ein friedliches Miteinander, was man gerade im genannten Beispiel vor Ort spürt. Ein Sportverein, bei dem man sich wohlfühlt und Vereinsmeierei ein Fremdwort ist. Nicht schneller – höher – weiter zählt, sondern dass die Mitglieder sich wohlfühlen und sich gut und engagiert in relativ privater Atmosphäre betreut sehen. So steht man äußerst gelassen und zufrieden neben dem Vereinsgiganten Post-SV in der Nachbarschaft, den man nie als „Konkurrent“ sah.  Der „Vereinsgedanke“ hat Vorrang, Pflege der Vereinskultur und dass jeder jedem hilft. Wie auch immer - was für ein schönes Vereinsmotto!

Uschi Friedmann
BLSV Kreis Nürnberg