Aktuell/Berichte

Ordnung muss sein?!

Die Bedeutung von Satzungen und Ordungen im Verein

12.7.2011: BLSV Bezirk Mittelfranken Großvereinetreffen

Im Rahmen einer Reihe von Informationsveranstaltungen des BLSV Bezirks Mittelfranken für Großvereine ab 1000 Mitgliedern, war am 12. Juli der Post-SV Nürnberg ( Großverein mit ca. 15 000 Mitgliedern ) Gastgeber für einen weiteren Infoabend mit dem Thema „Satzungen und Ordnungen“. Ca. 15 Vereinsvorsitzende aus ganz Mittelfranken nahmen die Chance wahr, sich vorort von Mitgliedern der BLSV-Vorstände Bezirk Mittelfranken und Kreis Nürnberg informieren zu lassen.

Zu Beginn schilderte der Vizepräsident des Post-SV Nürnberg und BLSV-Vorstandsmitglied des Kreises Nürnberg, Franz Gebhardt, die Entwicklung einer Satzung, die größenunabhängig auf jeden Sportverein übertragbar ist. Die Erstellung ging federführend über zwei Jahre durch seine Hände. Diese neue Satzung löste letztendlich eine vollkommen überaltete Ausführung ab, was dringend nötig war. Vor genau dieser Situation stehen viele andere Großvereine. Vereine sollten die Arbeit einer Umgestaltung jedoch nicht scheuen. Dringend riet er dazu, besonnen vorzugehen und genau zu durchdenken, um anschließende aufwendige Änderungen an einer neuen Satzung und um wie er meinte, „Schnellschüsse“ mit ungewissem Ausgang zu vermeiden. 

Über die Organisationsform des Post-SV, die Funktion von Mitarbeitern und des Präsidiums und die Grundlagen der Organisation eines Großsportvereins, wurden einzelne Details der bestehenden Satzung als Diskussionsgrundlage zur Entwicklung einer unkomplizierten Vereinsorganisation verwendet. Dabei wurde über das System gerade des „Giganten“ Post-SV Nürnberg klar, dass viele der Aufgaben immer mehr weg vom Ehrenamt über die Satzung und entsprechende Ordnungen klar auf Hauptamtliche verteilt werden – auch um Ehrenamtliche zu entlasten und gerade große Verantwortungen von ihnen abzuwenden.

Der Vergleich verschiedener Vereinssatzungen, so auch des ATV-Frankonia zeigte, daß im Grunde ähnliche Strukturen bestehen und man durch gegenseitigen Austausch von Erfahrungen optimieren kann. So werden z.B. in einem Verein Delegierte berufen, im anderen gewählt. Franz Gebhardt schilderte bei dieser Gelegenheit auch ausführlich die Vor- und Nachteile des Delegiertensystems und einer entsprechenden Versammlung. Er plädierte für dieses demokratische und gerechte System, das viel Aufregung aus Mitgliederversammlungen nimmt und unvertretbare Zufallsmehrheiten für Entscheidungen vermeidet.

Vizepräsident des BLSV und Bezirksvorsitzender Jörg Ammon wies auf die Hilfe und den Service des BLSV hin, Vereinssatzungen prüfen und durchsehen zu lassen und beratend zu unterstützen. Immer wieder zeigte sich auch, daß Sportvereine sich gerade bei dieser schwierigen Materie „Satzungen und Ordnungen“ untereinander aus der Not heraus „ins Heft schauen“ und entsprechend übernehmen. Dieser Austausch wird nicht als negativ empfunden und von allen Anwesenden verständnisvoll begrüßt. Noch einmal wird darauf hingewiesen, daß die Satzung des Post-SV sogar zukunftsweisend einen Passus für die Entwicklung von Kooperationen aufweist, die oft Sonderregelungen nötig machen. Auch Jörg Bergner, Geschäftsführer des TV 1848 Erlangen und TV Vital, sowie stellvertretender Vorsitzender des BLSV-Bezirks Mittelfranken erinnert daran, Satzungen so gut wie möglich vorausschauend zu gestalten.

In seinen anschließenden Ausführungen über Vereinsordnungen, wie Geschäftsordnung, Finanzordnung, Abteilungsordnung, Beitragsordnung, u.a. stellte er klar heraus, dass ungeregelte Situationen in all diesen Bereichen ständige Rückfragen, Klärungen, Zuständigkeitsfragen, Vollmachten und permanente Korrekturen zur Folge haben. Ordnungen schaffen – wie das Wort schon sagt – „Ordnung“ in der Vereinsorganisation. Auch die Tatsache verstärkter Prüfungen, macht die Erstellung von Ordnungen nötig. So weiß jeder, was zu tun ist, um Schaden vom Verein abzuwenden.
Seit 2005 wurden in seinem Verein, dem TV 1848 Erlangen verschiedene Ordnungen erarbeitet. Ratgeber hier auch der Freiburger Kreis. Auch da orientierte man sich an den bereits bestehenden Ordnungen anderer Vereine, so wie Jörg Ammon, Vizepräsident des BLSV und Vorsitzender seines Heimatvereins ATV Frankonia in Teilen seine eigene Ordnung erkannte.

Eine abschließende Schnellumfrage ergab, dass ca. 50% der anwesenden Vereine noch nicht mit Ordnungen ausgestattet sind. Noch einmal wurde betont, dass die deutliche Definition von Aufgaben über Ordnungen, die Suche von Ehrenamtlichen erleichtert. Die Klarheit und Zuständigkeit für bestimmte Aufgaben bringt auch einem Ehrenamtlichen Sicherheit, nicht überlastet zu werden. Er weiß, was auf ihn zukommt, wenn er um seinen Einsatz gebeten wird. Ordnungen greifen letztendlich nicht entscheidend in den Sportbetrieb einer Abteilung ein. Deren Unterorganisation bleibt weiter flexibel. Ordnungen konkretisieren oft bereits festgehaltene Punkte der Satzung, die dadurch einfacher gestaltet werden kann.

Eine insgesamt sehr informative Veranstaltung mit reger Beteiligung aller Anwesenden hat vielen letztendlich Mut gemacht, die Organisation ihres Großvereins weiter zu optimieren.


Uschi Friedmann ( BLSV )