Im Anschluss an ihre Vorträge standen die Referenten Jörg Ammon, Dr. Peter Jungnickel und Christian Kirchner (stehend, von links) dem Publikum Rede und Antwort.

28. März  2011
Gibt es noch selbständige Übungsleiter?

Bereits seit 2008 veranstaltet der BLSV-Sportbezirk Mittelfranken in regelmäßigen Abständen die Informationsreihe TreffPunkt SportVerein. Ziel der Veranstaltungen ist es, von BLSV-Seite einen wertvollen Beitrag zur Förderung des Ehrenamts zu leisten, indem Funktionären komplexe, praxisrelevante Themengebiete von erfahrenen Referenten vorgestellt und wichtige Tipps für die Arbeit im Sportverein gegeben werden.

Der 13. TreffPunkt SportVerein fand nun beim TB Erlangen statt. Die Referenten Dr. Peter Jungnickel (Fachanwalt für Arbeitsrecht), Christian Kirchner (Deutsche Rentenversicherung) und Jörg Ammon (Steuerberater und Vorsitzender BLSV-Sportbezirk Mittelfranken) beleuchteten das Thema „Arbeitsverhältnisse im Sportverein“ aus zivil-, sozialversicherungs- und steuerrechtlicher Perspektive.

Ehe jedoch in die Thematik eingestiegen wurde, feierte die Ehrenamts-Imagefilm-DVD, die der BLSV-Sportbezirk in Kooperation mit Studierenden der FH Ansbach anlässlich des Europäischen Jahres der Freiwilligenarbeit erstellt hat, Premiere. Die strahlenden Kinderaugen und der Appell „Dein Verein braucht dich!“, der am Ende des ersten Films erfolgt, berührten die anwesenden Vereinsvertreter emotional.

Als erster Referent sprach im Anschluss Rechtsanwalt Dr. Peter Jungnickel. Er definierte zunächst, wann es sich aus zivilrechtlicher Sicht bei einem Mitarbeiter um einen Arbeitnehmer und wann um einen freien Mitarbeiter handelt. Nachfolgend rückte er die Vertragsgestaltung bei Arbeitnehmern in den Fokus. Da ein Arbeitsvertrag Teil der allgemeinen Geschäftsbedingung ist, legte er den anwesenden Vereinsvertretern ans Herz, mit Arbeitnehmern immer einen Arbeitsvertrag, in dem Art der Tätigkeit, Arbeitsort und Arbeitszeit, Vergütung und Urlaub schriftlich fixiert sind, abzuschließen.

„Sozialversicherungsrechtliche Beurteilung von Übungsleitern, Trainern und Betreuern im Sportverein“ lautete der Titel von Christian Kirchners Vortag. Kirchner, der für die Deutsche Rentenversicherung als Beauftragter im Außendienst in Mittel- und Unterfranken tätig ist, legte dar, welche Kriterien im Rahmen einer Prüfung herangezogen werden, um festzulegen, ob ein Übungsleiter oder Trainer selbständig tätig ist oder in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis steht.

Besonders die Erläuterung des Punktes Durchführung des Trainings in eigener Verantwortung bei einer selbständigen Tätigkeit, die mit den Worten „der Übungsleiter legt Dauer, Lage und Inhalte des Trainings selbst fest und stimmt sich wegen der Nutzung der Sportanlagen selbst mit anderen Beauftragten des Vereins ab“ beschrieben wurde, erregte die Aufmerksamkeit und zum Teil auch den Unmut der Zuhörer.

Als letzter Referent des Abends trat Jörg Ammon auf, der die steuerrechtliche Einordnung von Arbeitsverhältnissen im Sportverein thematisierte. In seinem mit zahlreichen Beispielen aus dem Sportbereich gespickten Vortrag führte er unter anderem auf, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit der Übungsleiter-Freibetrag ausbezahlt werden kann. Besonders intensiv ging Ammon auch auf die Ehrenamts-Pauschale ein. Er wies ausdrücklich darauf hin, dass für jegliche Bezahlung im ehrenamtlichen Bereich vorher eine Satzungsgrundlage notwendig ist und die mehrmals verlängerte Übergangsfrist zum 31. Dezember 2010 abgelaufen ist.

Die zahlreichen Fragen, die im Zuge der abschließenden Podiumsdiskussion gestellt wurden, zeigten, dass mit der Wahl des Themas „Arbeitsverhältnisse im Sportverein“ für den 13. TreffPunkt SportVerein ein Brennpunktthema gewählt worden war.
Da Übungsleiter für ihre Sportstunden Hallen nutzen, die Nutzung in der Regel aber nicht selbst mit den Verantwortlichen von Kommunen oder Verein absprechen, interessierte, ob aus sozialversicherungsrechtlicher Perspektive überhaupt noch ein Übungsleiter als selbständig eingestuft werden könne. Kirchner gab zu, dass es zwar „unrealistisch ist“, dass ein Übungsleiter die Hallenbelegung selbst abspricht, „aber derjenige, der das tut, ist derjenige, der selbständig ist.“ Übungsleiter, die im Bereich von Ballsportarten wie Fußball oder Handball tätig sind, zwei Mal in der Woche zu festen Zeiten Training geben und am Wochenende Betreuungsleistungen übernehmen, sind aufgrund der organisatorischen Einbindung in den Sportverein und der Erfolgsverpflichtung gegenüber Abteilungsleiter oder Vereinsvorstand aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht in der Regel nicht als selbständig einzustufen.

So unterschiedlich die Beurteilung eines Arbeitsverhältnisses aus zivil-, sozialversicherungs- und steuerrechtlicher Perspektive auch ist, in einem Punkt waren sich alle Referenten einig. Ein Sportverein ist bei der Beurteilung eines Arbeitsverhältnisses nur dann auf der sicheren Seite, wenn spätestens einen Monat nach Beginn der Arbeit ein Statusfeststellungsverfahren bei der Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung in die Wege geleitet wird.

Angesichts der angesprochenen Problematiken, die die Zuhörer teilweise ernst blicken ließen, meinte Ammon bei der Verabschiedung: „In Ihren Gesichtern lese ich deutlich die Frage: ‚Warum machen wir das alles?‘ Ich selbst frage mich das in meiner Rolle als Vereinsvorsitzender auch manchmal. Aber wenn ich an unseren Ehrenamt-Film denke und mir die lachenden Kinder in meinem Verein vorstelle, dann weiß ich, dass sich der Einsatz lohnt.“ Für seine Einschätzung wurde er mit warmem Beifall bedacht.


Die Vorträge der Referenten finden Sie unter der Rubrik Downloads > A bis Z > TreffPunkt SportVerein.