Dr. Peter von Pierer und Markus Giegold machen sich für das Ehrenamt stark (von links)
Während die Tennisprofis bereits ihr erstes Training absolvieren, wird im Hintergrund noch weiter aufgebaut
Gisela Leibold und Birgit Bauer gehören seit mehr als einem Jahrzehnt zum Deko-Team (von links)
"Kalle" hat von seinem Platz aus den Center Court und das WWW im Visier
Steffi Wagner managt das "Activity Desk"

2. November 2009

Nehmen und Geben

Es ist ein Nehmen und Geben in Eckental - und dies seit 13 Jahren. In einer „normalen“ Tennishalle, in der in den Wintermonaten ambitionierte und weniger ambitionierte Freizeitspieler die Bälle über das Netz schlagen, herrscht Anfang November der Ausnahmezustand. Dann finden sich über 200 Helfer ein, um gemeinsam mit Turnierdirektor Markus Giegold die „normale“ Tennishalle für acht Tage in eine „Tennisarena“ für professionelle Tennisspieler zu verwandeln.


Viel Einsatzbereitschaft, Schweiß und auch eine Portion Improvisationsvermögen sind gefragt, um dem mit 30.000 Euro dotierten „Bauer Watertechnology Cup“ einen würdigen Rahmen zu verleihen. Egal, ob es sich um den Tribünenaufbau, die Lautsprecheranlage oder die Dekoration der Halle handelt, die zuständigen Teams sind beim Aufbau mit Feuereifer bei der Sache - und das oft seit der ersten Auflage des ATP Challenger Turniers.


Auf einer Leiter stehend, Dekostoffe in der Hand, berichtet Birgit Bauer, dass sie in ihrer Turnierkarriere schon viele Stationen durchlaufen hat: „Vor 13 Jahren war ich noch für die Pressearbeit zuständig, dann war ich im Fahrdienst-Team. Heute bin ich für die Dekoration der Halle zuständig.“
Auch „Kalle“, der seinen Nachnamen nicht verraten möchte, ist seit der ersten Stunde mit von der Partie. „Ich bin für alles zuständig, was in den Bereich Technik fällt“, gibt er sich bescheiden. Erst auf Nachfrage führt er aus, wie vielfältig sein Arbeitsgebiet tatsächlich ist: die Beschallung der Halle, die Vorstellung der Spieler auf dem Center Court, die Betreuung der Website, das Life-Scoring und kleinere organisatorische Aufgaben machen Kalles Eckental-Alltag aus.


Mit dem Aufbau alleine ist es nicht getan. Im Verlauf der Turnierwoche müssen die Bereiche Fahrdienst, Player Service, Catering, Presse, Ticketverkauf und Einlasskontrolle ehrenamtlich besetzt werden. Ferner gilt es, gut harmonierende Ballkinder- und Linienrichter-Teams zu bilden.


Hobbytennisspieler Werner Korbacher ist seit vier Jahren im Fahrdienst-Team. Zusammen mit zwei Kollegen leitet er die Einsätze von bis zu 13 Fahrern. Im vergangenen Jahr wurden mit fünf PKWs und einem Transporter insgesamt etwas mehr als 15.000 Kilometer zurückgelegt. „Die Gesamtkilometerzahl wird in diesem Jahr nicht weniger werden; Fahrten zum Flughafen und zum Bahnhof, dazwischen zum Hotel und abends das ein oder andere Ballkind, das von seinen Eltern nicht abgeholt werden kann, nach Hause bringen“, umreißt Korbacher das Aufgabengebiet des Fahrdienstes.
Am „Activity Desk“ herrscht meistens ein großer Andrang. Steffi Wagner, die in Eckental als Linienrichterin angefangen hat und schon als Teenager den Traum hatte, einmal am Activity Desk zu arbeiten, organisiert für die Spieler Hotelzimmer und Flüge, gibt Bälle und Handtücher für die Matche aus, bucht Trainingsplätze und steht den Spielern zusätzlich bei Fragen oder Problemen mit Rat und Tat zur Seite. „Im Verlauf der Woche hast du manchmal das Gefühl, du kannst nicht mehr. Dann fragst du dich, weshalb du deinen Urlaub für so eine Veranstaltung opferst. Aber am Ende des Turniers, wenn alles wieder glatt gelaufen ist, bist du unendlich glücklich und freust dich auf das nächste Jahr“, resümiert Wagner.


Insgesamt leisten die ehrenamtlichen Helfer pro Turnier etwa 4.000 Arbeitsstunden ab. Ohne diesen Einsatz wäre die Ausrichtung des Eckentaler ATP Challengers nicht möglich, führt Turnierdirektor Giegold aus: „Die Leute erbringen eine sensationelle Leistung. Im Prinzip sind sie der größte Sponsor des Turniers. Und was das Tolle ist, ich muss sie nicht rekrutieren und jedes Jahr wieder anbetteln, mitzumachen. In Eckental läuft es anders - hier treiben mich die Ehrenamtlichen an, dass ich möglichst viele Sponsoren verpflichte, damit „unser Turnier“ nicht wegbricht.“      


In diesem Jahr zeigt sich Giegold nicht nur bei den Helfern seines Turniers mit einer großen Teamparty für ihr Engagement erkenntlich. Unter dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt“ lädt er alle Abteilungsleiter, Kassiere, Sport- und Jugendwarte des BTV-Bezirks Mittelfranken zum Besuch des „Bauer Watertechnology Cup“ ein. Zusammen mit dem BTV-Bezirksvorsitzenden Dr. Peter von Pierer möchte er auf diese Weise „ein Zeichen gegen Oberflächlichkeit und Egoismus und für Gemeinsamkeit und Nachhaltigkeit setzen“ und den Stellenwert des Ehrenamtes in Bayern stärken.