18. November 2011

Visionen für das Ehrenamt im Sport

Im Jahr des Ehrenamtes tragen viele Veranstaltungen zum respektvollen Umgang mit dem Ehrenamt bei, weil gerade Sportvereine ohne dieses große Engagement nicht bestehen können. So auch die 5. Nürnberger Sportdialoge im Rathaus. Der Sportservice der Stadt Nürnberg unter der Leitung von Jürgen Thielemann sucht mit dieser Veranstaltung den Dialog mit den Vereinsvertreter und vermittelte am 12.11.2011 mit dem Thema „Ehrenamt“ im Sport das große Spektrum ehrenamtlichen Engagements in unseren Sportvereinen. Auch heuer wieder war der Schöne Saal des Rathauses bis auf den letzten Platz besetzt.

Sportbürgermeister Horst Förther begrüßte die Gäste mit dem wichtigen Hinweis, dass die Stadt auch künftig noch mehr für die Sportvereine tun möchte. Zu Gast waren in den ersten Reihen u.a. auch Jörg Ammon Vizepräsident Finanzen des BLSV in München und BLSV-Bezirksvorsitzender für Mittelfranken, der BLSV Kreisvorsitzende Herbert Dötschel, die Stadträtinnen Jutta Bär und Renate Blumenstätter. Michael Kolb vom Sportservice präsentierte eine Situationsanalyse des Ehrenamtes im Sport. In der anschließenden Diskussion wurden die Vorteile und Nachteile im Ehrenamt herausgearbeitet. Heike Zimmermann vom Sportservice dokumentierte dabei als herausgearbeitete negative Aspekte vor allem  „Vereinsmeierei“, die abschrecke, das „Nörgeln“, Bürokratie und den Erwartungsdruck an Ehrenamtliche. Viele werden überfordert, weil es eben nur Wenige gibt. Die positiven Motive überwiegen jedoch: Gemeinsame Erfolge, Mitgestaltung, Anerkennung, Zufriedenheit, soziale Entwicklung, Menschen bewegen, Spaß und Leidenschaft, die Mitgestaltung der Gesellschaft. Viele Ehrenamtliche sehen ihre Arbeit als eine Tätigkeit, die Spaß macht, wo man sympathische Menschen trifft und etwas für das Gemeinwohl tun kann.

Was braucht ein Ehrenämtler heute ? Diese Frage hatten die Referenten Dr. Thomas Röbke ( Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement ) und Aline Liebenberg vom Zentrum Aktiver Bürger ( ZAB ) herausgearbeitet.  Sportvereine treten nach wie vor  immer mehr in Konkurrenz mit kommerziellen Sportanbietern oder auch der Volkshochschule. Das bürgerschaftliche Engagement ist einerseits im Aufwind, andererseits aber dadurch auch unter Druck. Im Sport steht das Ehrenamt noch im Vordergrund. Dabei versucht man die verschiedenen Engagementsformen momentan zu modernisieren. Aber auch die Frage „Was bringt mir das Ehrenamt?“ komme mehr und mehr zum Tragen. Ehrenämtler möchten heute mehr denn je mitgestalten und nicht nur Dienste ableisten oder Aufträge erfüllen. Kein „Kleiner Finger und dann anschließend die ganze Hand“. Ehrenämtler lassen sich darauf nicht mehr ein. Vor allem für Jugendliche wird das Ehrenamt durch die zunehmend schulische und berufliche Belastung immer schwieriger. Auch deshalb ginge man gerne, vor allem auch im ZAB, auf ehrenamtliche Helfer jenseits der 50 und 60 zu.

Vereine brauchen dabei „zunehmend kommunale Unterstützung, um ihre Aufgaben zu bewältigen“, so Aline Liebenberg vom ZAB. Ein Imagefilm des ZAB zeigte den Sportvereinsvertretern die vielen Möglichkeiten der Unterstützung durch das ZAB. Von der Hausaufgabenbetreuung, über Ausflugsbegleitung, handwerkliche Unterstützung und Kinderbetreuung. Das ZAB veranstaltet überdies Partnerschaftstage mit Unternehmen, die Gutes tun möchten. Einen großen Erfolg stellt die Freiwilligenbörse des ZAB auf der Messe „in viva ( Messe 50 plus ) dar, die jedes Jahr im Frühjahr in Nürnberg stattfindet. Das ZAB bietet Sportvereinen hier an durch ihre Teilnahme für sich zu werben. Die Zusammenarbeit ZAB und Sportvereine soll weiter vertieft und ausgebaut werden. Die Vermittlungsarbeit im ZAB könnte Sportvereine in ihrer Arbeit unterstützen. Hierzu existiert bereits eine Datenbank, die über das Internet einsehbar ist. Wer als Sportverein Hilfe braucht, kann sich dort informieren. Vor allem auch der Pool an ehrenamtlich tätigen Handwerkern kann für Sportvereine interessant sein.

Arnold Lindner, BLSV-Vorsitzender des Bezirks Oberpfalz skizzierte anschließend mit vielen Beispielen seine Erfahrungen zum Thema Mitarbeitergewinnung und Pflege der Ehrenamtlichen. Dabei betonte er gleich zu Beginn, dass der heutige moderne Sportverein eine Strukturierung bräuchte, ein Organigramm, einen Ablaufplan, Aufgabenbeschreibung und klare Aufgabenverteilung, To-Do-Listen. Er plädiert für den „transparenten Verein“, wo jeder weiß, was der andere tut. Eine für alle überschaubare Gliederung erleichtere auch die Arbeit im Ehrenamt. Ordnungen und Satzungen sind dabei nur ein Teil der Organisation. Jeder „müsse wissen, wo er steht und was er zu tun hat“. Wichtig dabei aber auch der Aufbau von sogenannten „Springern“, die spontan Ehrenämtler zusätzlich entlasten oder kurzfristig vertreten können. Dieses Netzwerk garantiere eine gut organisierte Führung eines Sportvereins – vor allem im Ehrenamt. Besonderes Augenmerk setzte er persönlich auch auf das Setzen von Zielen. „Jedes Jahr ein neues Ziel“. Es ist leichter einen Mitarbeiter für ein gemeinsames Ziel zu gewinnen, als ihn persönlich zu einem Posten zu verpflichten und zu direkt auf ihn zuzugehen. Das schrecke ab. Er weißt zum Ende seiner Ausführungen auch noch mal auf die entscheidende Aufgabe hin, Ehrenamtliche zu begleiten. Nicht nur zu Beginn ihrer Tätigkeit, sondern auch im Ablauf von Projekten, um eine Überforderung zu vermeiden. Nicht zuletzt plädiert auch Arnold Lindner für eine angemessene Anerkennungskultur. „Das kann auch nur mal ein kleines Dankeschön im Vorbeigehen sein, dass man als Vorsitzender nicht vergessen sollte“. Nach einer Zusammenfassung der Gedanken durch Jürgen Thielemann und dem Ausblick auf das Ehrenamt der Zukunft konnten sich alle Gäste noch intensiv am kalten Büfett in der Ehrenhalle des Rathauses austauschen.


Text: Uschi Friedmann