BLSV-Vizepräsident Jörg Ammon setzte sich in seiner Rede für den Nachwuchsleistungssport in Bayern und in der Metropolregion Nürnberg ein

27. März 2010

Künstlerischer Ein- und sportlicher Ausblick

Winzig kleine Skilangläufer vor einer beeindruckenden Bergkulisse, überlebensgroße, scheinbar um das Eisoval fliegende Shorttracker, ein in den Seilen hängender, niedergeschmetterter Boxer - abwechslungsreich, kritisch, bisweilen ironisch präsentiert sich die Ausstellung „Mensch und Sport: Über sich hinauswachsen - Verheißung oder Verhängnis?“ in Sankt Paul, dem Zentrum für Bildung, Erziehung, Sport und Gesundheit in Nürnberg.

Dem renommierten Künstler Béla Faragó ist es eindrucksvoll gelungen, die Ambivalenz und Emotionalität des Spitzensports einzufangen und dauerhaft festzuhalten.

Dass sich hinter der Ausstellung „Mensch und Sport“, die mit Gästen aus Politik, Sport und Wirtschaft, unter ihnen Alt-Bürgermeisterin Helene Jungkunz, Staatsminister a. D. Karl Freller, BLSV-Vizepräsident Karl Rauh und der Vorsitzende des Bayerischen Landessportbeirates, Gerhard Wägemann, eröffnet wurde, weit mehr als die bloße Zusammenführung von Sport und Kunst verbirgt, konnten Vertreter der Deutschen Olympischen Gesellschaft (DOG), des Bayerischen Landes-Sportverbandes (BLSV), der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), der Galerie LS und des in Sankt Paul lokalisierten „Haus der Athleten“ im Rahmen der Vernissage verdeutlichen.

So betonte Dr. Peter Schönlein in der Begrüßung die mit der Verheißung des Sports, welche sich in „Selbstbestätigung, Ruhm, Reichtum, zumindest aber Wohlstand“ zeigt, einhergehenden Gefahren des Gefühls des „Über-sich-hinaus-wachsen-Müssens“, etwa die Angst, nicht zu genügen oder die Versuchung, zu unerlaubten Hilfsmitteln zu greifen. Im modernen Spitzensport müsste deswegen der „Mensch wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt, der Beziehung Mensch und Sport wieder reflektorischer begegnet werden“.

Prof. Dr. Susanne Liebmann-Wurmer vom Lehrstuhl für Kunstpädagogik der FAU verwies auf die zwischen den ästhetischen Fächern Kunst und Sport bestehende Beziehung: „Künstler und Sportler kennen den Begriff des Flow, das Gefühl der Leichtigkeit, das aus angestrengter Konzentration erwachsen kann. In Sankt Paul herrscht, seit wir und die Athleten im Herbst 2009 eingezogen sind, eine Aufbruchsstimmung, ein Umsetzen von gemeinsamen Plänen, das metaphorisch gesehen mit dem Flow verglichen werden kann.“

BLSV-Vizepräsident Jörg Ammon, der in seiner Rede den Bogen vom Breiten-, Schul- und Vereinssport zum Leistungssport spannte, akzentuierte, dass angesichts der Leistungsanforderungen und Erwartungshaltungen, mit denen sich Spitzenathleten heute konfrontiert sehen, der Förderung von Nachwuchssportlern eine besondere Bedeutung zukommt. In der Folge verwies er auf die neu gegründete Bayerische Sportstiftung, die es ermöglicht, Sporttalente zukünftig in finanzieller und ideeller Hinsicht zu unterstützen.

Das Haus der Athleten und die Bertolt Brecht Schule, die aktuell ein Evaluierungsverfahren zur Anerkennung als Eliteschule des Sports durchläuft, böten in der Metropolregion Nürnberg optimale Möglichkeiten, Jugendlichen und jungen Erwachsenen neben der sportlichen Fokussierung differenzierte Bildungsangebote zur Verfügung zu stellen sowie Raum zur Entwicklung einer gefestigten Persönlichkeitsstruktur zu geben.

„Nachdenklich stimmt nur, dass es für den Übergangszeitraum bis zur Anerkennung des neuen Status der Schule nicht gelingen mag, für die gemeinnützige Trägergesellschaft des Hauses der Athleten öffentliche Zuschüsse oder private Spenden zu generieren“, warb Ammon bei den anwesenden Ehrengästen für mehr Unterstützungsleistungen.

Auch die mehrfache Olympiasiegerin Sylke Otto sprach sich, ehe sie die Ausstellung eröffnete, für das Konzept von Sankt Paul aus: „Ich selbst war auf einem Internat und habe die Zeit genossen. Kurze Wege, eine intensive pädagogische Betreuung und eine optimale Gestaltung des Trainingsalltags - besser kann es ein junges Sporttalent nicht haben. Bitte helfen Sie uns, Geldgeber für dieses Zukunftsprojekt zu finden!“