Die BLSV-Vizepräsidenten Otto Marchner (links) und Jörg Ammon gaben und bekamen wertvolle Inputs für die Weiterentwicklung des bayerischen Sports.

7. Dezember 2011

Ohne Tabu in die Zukunft

Seit drei Jahren beschäftigt sich der Sportbezirk Mittelfranken im Rahmen seiner Klausur- und Jahresabschlusstagungen intensiv mit Fragestellungen, die die zukünftige Entwicklung des BLSV zum Gegenstand haben. Im ersten Jahr wurde mit BLSV-Geschäftsführer Thomas Kern diskutiert, wie der BLSV das Ziel, die Nummer 1 im Sport zu sein, erreichen kann. Als ein wichtiger Meilenstein im Hinblick auf die Erreichung dieses ehrgeizigen Plans wurde im gemeinsamen Diskurs die Verbesserung der internen Kommunikation herausgearbeitet. „Bezirke und Kreise: Wir sind ein Team!“ lautete folglich das Tagungsmotto für das Kalenderjahr 2010. In vier Arbeitsgruppen, die sich mit den Themenkomplexen „Innen- und Außendarstellung“, „Ehrenamt und Mentoring“, „Verantwortung“ und „Trendbewusstsein“ befassten, wurden Prioritäten und Ziele formuliert, die in der Erstellung eines Team-Konzeptes mündeten.

Bei der Jahresabschlusstagung im BLSV-Sportcamp „Haus BergSee“ wurde das Team-Konzept, das unter anderem Impulse für eine konstruktiv-kritische Zusammenarbeit der BLSV-Funktionäre gibt, nun mit Leben gefüllt. Gemeinsam mit BLSV-Vizepräsident Otto Marchner besprachen Bezirks- und Kreisfunktionäre notwendige Schritte der strukturellen Veränderung innerhalb des BLSV. Zu den zentralen Themen gehörten der Umgang des organisierten Sports mit dem demographischen Wandel, die Erörterung der Besetzung von Funktionen über Wahl oder Berufung sowie die Zusammenarbeit zwischen BLSV und Bayerischer Sportjugend (bsj).

Marchner plädierte eindringlich dafür, dass angesichts der Tatsache, dass die Bevölkerung Bayerns immer älter wird, der Seniorensport auf Verbands- und Sportvereinsebene an Bedeutung gewinnen muss: „Seniorensport ist Vorstandsaufgabe, da er in den Vereinen abteilungsübergreifend stattfindet. Wir müssen unseren Vereinen Impulse geben, damit sie sich auf Vordermann bringen und kreative Programme für diese Zielgruppe anbieten. Auch die Fachverbände sehe ich in der Pflicht. Diese müssen zum Teil neue Spielformen entwickeln, um auch für immer älter werdende Mitglieder interessant zu sein.“

Jörg Ammon, der Vorsitzende des BLSV-Sportbezirks Mittelfranken, gab in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass es gerade im Raum Weißenburg-Gunzenhausen und Ansbach viele Einsparten-Fußball-Vereine gibt, die mit den Auswirkungen der demographischen Entwicklung zu kämpfen haben werden. „Ideal wäre es, wenn diese Vereine andere Angebote einführen würden, sonst laufen sie Gefahr, dass ihr Vereinsbetrieb früher oder später eingestellt werden muss. Ebenso sollte über Spielgemeinschaften und Fusionen nachgedacht werden“, so Ammon. Auch mögliche Veränderungen der BLSV-Struktur wurden bei der angeregt-fairen Diskussion in Betracht gezogen. Die Altersentwicklung der Bevölkerung und die zunehmend sinkende Bereitschaft, Ehrenämter zu übernehmen, wurden als Anlass genommen, die Anzahl der Funktionen, die zukünftig auf Kreis- und Bezirksebene noch über Wahl oder Berufung besetzt werden sollten, zu überdenken.

Nach der intensiven Auseinandersetzung mit der von Ammon bewusst provokant formulierten Frage „Welche Priorität hat eigentlich welche Funktion?“ wurde festgehalten, dass sich die Aufgabenbereiche des BLSV in den nächsten fünf bis zehn Jahren verändern werden, deshalb bereits jetzt eine zeitgemäße Konzeption angestrebt beziehungsweise immer wieder angepasst werden muss und es bei Diskussionen bezüglich der Zweckmäßigkeit von Ämtern keine Tabus geben sollte. Marchners Bitte, zukünftig einen engeren Schulterschluss zwischen BLSV und bsj zu suchen, wurde von den Anwesenden äußerst positiv aufgenommen.

Als ein nächster Arbeitsschritt steht im Sportbezirk Mittelfranken nun die Ausformulierung von Funktions- und Aufgabenbeschreibungen für aktuell besetzte Ämter an. In Kombination mit ebenfalls in Planung befindlichen Bedarfs- und Nachhaltigkeitsanalysen wird so die Basis für eine gegenwartsnahe Weiterentwicklung der regionalen Verbandsarbeit gelegt.