Beleuchteten in der Stadthalle Gunzenhausen am „Abend für Vereine und Verbände“ verschiedene Facetten bürgerschaftlichen Engagements (von links): Sozialministerin Christine Haderthauer, Landtagsabgeordneter Gerhard Wägemann sowie die BLSV-Funktionäre Jörg Ammon und Brigitte Brand.

6. November 2011

„Ehrenamt bringt uns weiter nach vorn!“

Auf Initiative von Gerhard Wägemann, dem Vorsitzenden des Bayerischen Landessportbeirates, fand in der Stadthalle Gunzenhausen der Informationsabend „Ehrenamt im Gespräch“ statt. Hauptrednerin der mit rund 200 Zuhöreren sehr gut besuchten Veranstaltung war Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer. In ihrem Kopfvortrag stellte die Ministerin heraus, dass bürgerschaftliches Engagement von Politik und Gesellschaft wertgeschätzt werden muss und Bürger, die sich freiwillig und kostenlos für das Gemeinwohl einbringen, nicht als „billige, wohlfeile Arbeitskräfte“ in unterfinanzierten Systemen eingesetzt werden dürfen. Mit Blick auf den US-amerikanischen Arbeitsmarkt sprach sich Haderthauer für den Aufbau einer Anerkennungskultur des Ehrenamtes aus. Zukünftig sollte auch in Deutschland ehrenamtliches Engagement bei der Vergabe von Studien- und Ausbildungsplätzen aber auch bei der Besetzung von Spitzenpositionen eine größere Gewichtung erfahren. Potentiale sah Haderthauer bezüglich der Rekrutierung Ehrenamtlicher. In Bayern sind aktuell rund 36 Prozent der Über-Vierzehnjährigen ehrenamtlich aktiv, womit der Freistaat im bundesdeutschen Vergleich eine Spitzenposition einnimmt. Verglichen mit Oberösterreich, wo 60 Prozent der Bevölkerung Freiwilligendienste leisten, erhalten die bayerischen Werte eine andere Dimension. Als Erklärung gab Haderthauer zu bedenken, dass Heimatverbundenheit eine Basis für den Gemeinsinn darstellt. Da in Oberösterreich die Zuzugsraten deutlich niedriger sind als in Bayern, ist der Anteil der Ehrenamtlichen dort folglich höher.

Im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion wurde der Bereich Sport von BLSV-Vizepräsident Jörg Ammon und Brigitte Brand, der Vorsitzenden des BLSV-Sportkreises Weißenburg-Gunzenhausen, repräsentiert. Weitere Redner vertraten das Bayerische Rote Kreuz, die Freiwilligen Feuerwehren, die Sportschützen sowie Gartenbau- und Landschaftspflegevereine. Ammon betonte, dass der BLSV das europäische Jahr der Freiwilligendienste als Anlass genommen hat, den ehrenamtlich Tätigen öffentlich Dank zu sagen: „Wir wissen, dass es nicht funktionieren kann, wenn man sagt, jetzt ist das Jahr der Freiwilligendienste, jetzt müssen wir etwas tun. Funktionieren kann das Ganze nur, wenn die Bestrebungen auf Langfristigkeit ausgelegt sind. Deswegen wird der BLSV in Zukunft seinen Ehrenamtspreis jährlich vergeben und den Funktionären weiterhin mit konstruktiven Lösungsansätzen zur Seite stehen.“ In Bezug auf die Diskussion um die häufig mangelnde Bereitschaft, leitende Ehrenämter zu übernehmen gab Ammon den politischen Vertretern einen Denkanstoß mit auf den Weg: „Ich wäre dankbar, wenn der Gesetzestext zum Thema Haftung von Vereinsvorsitzenden überarbeitet werden würde. In der gegenwärtigen Formulierung trägt er dazu bei, auf Seiten der Ehrenamtlichen Ängste zu schüren und die Übernahme eines Amtes infrage zu stellen.“

Wägemann griff zum Abschluss des Abends den Leitgedanken „Ehrenamt bringt uns weiter nach vorn auf!“ und verdeutlichte eindringlich, dass bürgerschaftliches Engagement der Mühe wert ist und der Einsatz für das Gemeinwohl sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft mit positiven Aspekten verbunden ist.